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Autor Thema: Wie blickt unsere Gesellschaft auf die Literatur?  (Gelesen 12845 mal)
Gryphius
Amayno
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Beiträge: 4



« am: 13. März 2009, 17:50:21 »

Wenn wir das Thema „Literatur“ deskriptiv behandeln wollen, stellen wir zu unserem Bedauern fest, dass wir an Mangel an geschriebenem Text leiden. Warum wohl? Liegt es an der Analphabetenrate, die bei uns einen Boom erreicht hat, oder ist es das Desinteresse, welches wir durch die Unwissenheit unserer Eltern haben in der Erziehung unmittelbar aufnehmen müssen?  Soziologisch, psychologisch sowie auch kulturell gibt es verschiedene Gründe, die für den Einen wohl vertretbar sind und für den Andern eher unvorstellbar und unvollkommen sind. Hier an der Stelle möchte ich euch zu einer Diskussion aufrufen, die uns einerseits über unsere Kultur aufklärt und  uns andererseits in dem Genuss bringt andere Meinungen zu verstehen und diese auch zu Akzeptieren.

Herzlichen Dank im Voraus!

Ps.: Bitte näher auf die Überschrift eingehen!!!
« Letzte Änderung: 16. März 2009, 23:18:45 von Gryphius » Gespeichert

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!(Kant)
izri
Amayno
*
Beiträge: 16



« Antworten #1 am: 15. März 2009, 22:20:58 »

Azul Gryphius,

ich finde es sehr gut, dass du dieses Thema behandelst. „Literatur bei Imazighen und großes Mangel an geschriebenem Text“. Wenn ich dich auch richtig verstanden habe, geht es dabei um Tamazight-Kultur und Literatur. Auf dieses Thema möchte ich gerne eingehen.
Wenn wir nach Ursachen suchen, dann müssen wir ganz objektiv verschiedene Aspekte in Betrachtung nehmen.
Ich kann die Ursachen so aufteilen:

Innere Ursachen:

- Hohe Analphabetenrate bzw. Unwissenheit.
- Entstehung der Fremdungsgefühle gegenüber Tamazight-Kultur
- Mangel an Stolz auf eigener Identität
- Armut. Das ist ein Hindernis für jegliche Art von Bildung und Entwicklung. Und so kann man sagen: keine Bildung, keine Literatur.
 
Äußere Ursachen:

- Gezielte Manipulation in den öffentlichen Schulen, wo viel Wert auf arabische Kultur gelegt wird, und alles was mit masirischer Kultur zu tun hat, wird einfach entfremdet. Deswegen können wir viele große masirsiche Schriftsteller und Dichter finden, die Imazighen sind aber sie befassen sich nur mit der arabischen Kultur.
- Fehlende Aufklärung und Motivation zur Bewegung Richtung Wissen und Bildung.

Trotz allem kann  man einige Imazighen in Europa finden, die es geschafft haben, Bücher gezielt in Richtung ihre eigene Kultur und Tradition herauszugeben, wie „der lügende Hund“ von Kaddour EI Karrouch und „Hochzeit am Meer“ von  Abdelkader Benali. Irgendwann werde ich auch einige bekannte masirische Autoren aus Nordmarokko vorstellen, die vieles für Tamazight-Kultur geleistet haben.

Die Frage ist jetzt: was ist der Ausweg aus dieser miserablen Situation. Dazu kann ich hier wichtige Ideen von Kant reinposten:
 
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen

Dass aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit lässt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden.
« Letzte Änderung: 15. März 2009, 22:45:00 von izri » Gespeichert
Gryphius
Amayno
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Beiträge: 4



« Antworten #2 am: 17. März 2009, 00:19:17 »

Freut mich Izri, dass du so informativ geantwortet hast.

Kant ist ein schöner Anhaltspunkt. Im ersten Zitat hast du die DEF. Der Aufklärung aufgegriffen, welche ich für sehr informationsreich halte. „ Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Demzufolge ist jeder Mensch, der sich selbst nicht identifizieren kann, und der sich seiner Identität „schämt“ ist eine verlorene Seele - wie es im Volksmund schön gesagt wird - . Ich frage mich bloß, wie wir mündig sein können bzw. wie wir uns entfesseln können.

Bevor wir aber mündig werden, müssen wir feststellen, wer unser Vormund ist. Dieser Vormund müssen wir dann unverzüglich die Vormundschaft entziehen.
 
Faulheit ist ein Problem, welches ich auch in unserer Gesellschaft festgestellt habe. Wir sind sogar sparsam mit den Bittgebeten; obwohl Allah uns ausdrücklich sagte:“ Bittet mich an ich erhöre eure Gebete“.  Wir streben der Faulheit wegen immer das Minimum, und behaupten, dass es religiös sei. Wir beabsichtigen immer, wie im Zitat, uns bedienen zu lassen, und verneinen das Denken, weil wir vielleicht falsch liegen können. Wir vergaßen, das wir durch das nicht denken uns selbst aufgeben.

« Letzte Änderung: 18. März 2009, 21:07:45 von Gryphius » Gespeichert

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!(Kant)
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