Tamazight-Tradition

Auch der Vater der Braut ist schwer zu sprechen. Eine erfahrene Frau gibt der ahnungslosen Braut ein paar Hinweise auf die kommenden wichtigen Ereignisse, klärt sie auf, was in den Nächten passieren muss und wie sie ihrem Mann entgegenkommen soll. Anstatt ihre Haare nach hinten oder auf eine Seite zu kämmen, legt man ihr alle Haare in dünnen Zöpfen geflochten ins Gesicht. Auf ihren Kopf legt man dann bis zur Schulter die sogenannte „Kuppel“, auf berberisch (Kobbah), ein Stück Stoff, vierzig Zentimeter mal drei Meter, das sie später als Leibband wickeln kann. Die Frauen falten es einmal und nähen es provisorisch an beiden Rändern in eine kleine Sackform, die über den Kopf bis einschließlich Hals gezogen wird. Darauf kommt Hals abwärts das weiße Wolltuch. An den Füßen trägt sie die schönen Balga, marokkanische geschmückte Pantoffeln aus Fes. Das ist Brauch. Wie aus tausend und einer Nacht war für mich die ganze Zeremonie.Ohne Ausnahme habe ich alle Dorfbewohner eingeladen, alle Verwandten und Freunde; auch aus weiterer Entfernung sind alle da. Ein Ochse ist schon geschlachtet. Ein Faß mit zweihundert Liter Trinkwasser steht bereits im Schatten. Es wird ausschließlich Couscous serviert. Der Hof hat genügend Platz für alle. An der Wand hängt eine Petroleumlampe.

Artikel vom MVTKS e.V

MVTKS e. V.

Publiziert am: Donnerstag, 01. Januar 2009 (4019 mal gelesen)
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