Tamazight-Tradition

 

Unter Tradition wird in der Regel die Überlieferung der Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten, Brauchtum einer Kultur oder einer Gruppe verstanden. Tradition ist in dieser Hinsicht das kulturelle Erbe, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Wissenschaftliches Wissen und handwerkliche Kunst gehören ebenso dazu, wie Rituale, moralische Regeln und Speiseregeln.

In dem gesamten Tamzghagebiet kann man nicht von einer einheitlichen Tradition der Imazighen sprechen, aber es gibt schon Ähnlichkeiten innerhalb dieser großen Sprachgruppen.

In diesem kleinen Beitrag gehe ich besonders auf eine herausragende Tradition ein, die man bei Rifimazighen findet.
Dieses kulturelle Erbe, das am stärksten in den ländlichen Gebieten üblich ist, heißt „Thwiza“ was Zusammentun oder gegenseitige Hilfe bedeutet. Hier möchte ich zum Schluss einen Aspekt der Thwiza in „Urar“(Heirat)eingehen anhand der Geschichte von Kaddour El Karrouch der sich für ein vierzehnjähriges Mädchen entschieden hatte.

Die „Thwiza“ ist eine Tradition, die wahrscheinlich schon vor der Islamisierung Nordafrikas existierte. Sie hat sich verfestigt und durchgesetzt als die Imazighen den Islam als neue Religion annahmen.

Sie arbeitet nach dem Motto :“eine Hand klatscht nicht“. Früher haben unsere Vorfahren gemerkt, dass nur durch die Kooperation und die gegenseitige Unterstützung ihre Existenz behauptet und gesichert wird.
Eine Frau, die ihren Ehemann verloren hat und in Not geraten ist, kann sich auf ihre Gemeinschaft, die als Sozialsystem fungiert,verlassen.
Das gilt auch für einen jungen Mann , der reif ist und aus einer armen Familie stammt, und eine Hochzeit feiern will genauso wie für einen Mann aus guten Verhältnissen.
Die Kraft der Thwiza macht es möglich Lösungen zu vielen Problemfeldern zu finden. Es gibt noch Lebensbereiche, wo die Thwiza noch lebendig ist, und spielt da eine große Rolle hinsichtlich der Stabilisierung der Gemeinschaft.

Durch den gesellschaftlichen Wandel, vor allem in der Provinz Nador, die von der Arbeitsmigration profitiert hat, verändert sich die Form und Bedeutung der Thwiza in manchen Sozialschichten, aber als Kern der Tradition der Imazighen ist sie zum Glück noch vorhanden.

Kaddour erzählt in seinem Buch „der lügende Hund“ Geschichten eines Nordafrikaners in Deutschland die Geschichte seiner Hochzeit lässt uns auf diese Weise in die Tradition, wie man „Urar“ feiert, eintauchen. Jetzt reisen wir in die Vergangenheit und stellen uns vor wir sind beim Kaddoursfest als uneingeladenen Gäste dabei.
Passt das in die Tradition der Imazighen? Ich glaube nicht, aber dieses mal Kaddour macht eine Ausnahme, in dem er die Türen seines Buches für alle Leser, die sich für Kultur der Imazighen interessieren, aufmacht.

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